Wie aus KSIC die CloudDNA wurde.
Ich habe die CloudDNA vor rund zehn Jahren gegründet — ursprünglich nicht unter diesem Namen. Ich kam damals von SAP, wo ich Jahre in einem der größten Softwarekonzerne der Welt verbracht hatte. Ein sicherer Hafen. Genau der Ort, den man nicht verlässt, wenn man Kinder, ein Haus und eine ernste Miene hat. Ich habe ihn trotzdem verlassen.
Am Anfang stand ein sperriger Name: die KSIC GmbH — Koch Security, Integration and Cloud Consulting. Vier Buchstaben, die niemand aussprechen konnte, mit einer Beschreibung, die alles und nichts sagte. Ich habe schnell gemerkt: das war die zweite Sache, die man an einem SAP-Ausstieg nicht macht — sich einen Namen geben, der klingt wie ein Compliance-Standard.
Die Rettung kam bei einem Abendessen — obwohl ich das damals noch nicht wusste. Blankenese, Hamburg, ein Fischlokal an der Elbe. Ich war zu Besuch bei einem alten SAP-Kollegen — Jörg, einer dieser Menschen, die man einen SAP-Guru nennt, ohne dass es kitschig klingt. Wir tranken einen weißen Burgunder, ich versuchte zum dritten Mal, meinen Firmennamen zu erklären. Jörg unterbrach mich, hob das Glas und sagte einen einzigen Satz: „Martin, du hast die Cloud in deiner DNA.“
Am nächsten Morgen bin ich in einem Hamburger Hotelzimmer aufgestanden, habe aus dem Fenster geschaut und gedacht: CloudDNA — das wäre ein geiler Name. Zwei Wochen später hieß die KSIC GmbH nicht mehr KSIC.
Angefangen haben wir in einem winzigen Büro in Oberwart. Heute sitzen wir in der ehemaligen Raiffeisenbank in Loipersdorf, direkt in der Thermenregion — ein Gebäude, das schon einmal einen anderen Bezug zum Himmel hatte, wenn man so will: nach oben. Nicht Wien, nicht Berlin, nicht San Francisco. Wir sitzen dort, wo unser Team lebt, und schöpfen aus zwei Talentschmieden, die man auf keiner Weltkarte findet: der HTL Pinkafeld und der FH Burgenland. Ohne die beiden gäbe es diese Firma nicht.
Über die Jahre wurde aus dem Duo ein Team von mehr als zwanzig Menschen. Wir haben siebzehn Bücher bei SAP Press veröffentlicht — bunt gemischt, aber immer aus der Praxis, nie aus dem Marketing. CloudDNA war jahrelang eine SAP-Integrationsschmiede, die für Konzerne die schwierigen Enterprise-Fragen löst. Wir sind gut in schwerer Software: die, die nicht kaputtgehen darf, die zehn Jahre laufen muss, die zwölf andere Systeme kennt.
Bis 2023. Als ich zum ersten Mal ernsthaft mit Sprachmodellen gearbeitet habe, wurde mir klar: das ist keine graduelle Verbesserung. Das ist der Umbruch, der unser Handwerk umschreibt. Was früher drei Monate und ein sechsstelliger Betrag war, geht heute in zwei Wochen. Individualsoftware ist unter diesen Bedingungen kein Luxus mehr. Sie ist das Vernünftigste, was ein Softwarehaus einem Kunden anbieten kann. Aus dieser Erkenntnis wurde eine Produktlinie — und mit ihr die Tailor-Familie.